Standort !?

Kölner Rheinauhafen, den 26.10.2000

Meine sehr verehrte Damen und Herren, verehrte Frau Bürgermeisterin Canisius, liebe Gäste von Presse, Funk und Fernsehen,

auch ich möchte Sie alle noch einmal ganz herzlich hier im Kölner Rheinauhafen begrüßen an diesem für die jüdische Kultur in Deutschland wie ich finde so bedeutsamen Tag. Der Ort dieser Pressekonferenz, der Kölner Rheinauhafen, ist natürlich nicht zufällig gewählt. Seit heute steht fest, und ich freue mich, Ihnen allen hier das als erste verkünden zu dürfen: Im Kölner Rheinauhafen wird das erste feste jüdische Theaterhaus in Deutschland seit dem 2. Weltkrieg entstehen. Dies wurde uns, dem Verein zur Förderung der jüdischen Kultur und zur Errichtung des ersten jüdischen Theaterhauses in Deutschland e.V., von verschiedenen maßgeblichen Stellen zugesichert. Die entsprechenden Statements, die zur heutigen symbolischen Grundsteinlegung des Theaters führten, möchten wir Ihnen gleich vorlesen und auch schriftlich zur Verfügung stellen.

Es ist schon fast eine Ironie des Schicksals, daß die Gründung des Theaters Michoels, wie das erste jüdische Theater offiziell heißen wird, daß die Gründung dieses Theaters in eine Zeit fällt, in der in Deutschland, aber auch in anderen europäischen Ländern wieder Brandsätze auf Synagogen fallen und rechtsradikale Umtriebe Anlaß zu Sorge und Bestürzung geben.

Auch das ist ein Grund, meine Damen und Herren, warum wir heute hier sitzen. Ein festes jüdisches Theaterhaus in Deutschland, das war für unseren Verein auch immer die Vision, Verständnis, Toleranz und Vertrauen durch ein kulturelles Miteinander zu schaffen - nicht umsonst ging von Anfang an die Initiative zur Errichtung eines jüdischen Theaterhauses von Juden und Nicht-Juden gemeinsam aus. Wir wollen nicht nur die Mahnmale der jüdischen Vergangenheit zeigen, sondern auch die Merkmale der jüdischen Gegenwartskultur in den Mittelpunkt unserer Arbeit stellen. Die bisher erfahrene breite Unterstützung des jüdischen Theaters, die heute in dieser symbolischen Grundsteinlegung gipfelt, macht deutlich, daß die dominierende Mehrheit der Menschen in Deutschland in einem weltoffenen und toleranten Verständnis lebt.

Nicht zuletzt durch das internationale Medieninteresse an diesem Projekt ergeben sich wertvolle Chancen, der Weltöffentlichkeit die multikulturelle Gesellschaft des heutigen Deutschlands zu präsentieren.

Drei Jahre dauerten die Vorbereitungen des Vereins für dieses Projekt, das ohne die tatkräftige Unterstützung zahlreicher namhafter Persönlichkeiten aus Politik, Medien und Wirtschaft nicht hätte entstehen können. Die Zusagen und Statements von Politik und Verwaltung möchten wir nun bekanntgeben.

Statements der Politik (siehe unter Politik)

Was bedeutet das alles jetzt konkret für das jüdische Theater Michoels?

Darauf möchte ich nun im folgenden eingehen.

Zuerst wird das jüdische Theater hier im Rheinauhafen seine erste provisorische Spielstätte beziehen. Es ist geplant, den Spielbetrieb Anfang nächsten Jahres mit der Eröffnungsrevue "Mit a bissel Massel" aufzunehmen. Wie genau dieses Provisorium aussieht, welche fliegenden Bauten etc. dafür vorgesehen sind, das prüfen derzeit die Techniker sowie die zuständigen Verwaltungsgremien. Folgende Möglichkeiten stehen dabei zur Auswahl: ein freistehender Pavillon im Hafengebiet, eine bisher noch nicht genutzte leerstehende Halle oder aber eine Kombination von beidem, d.h. ein Pavillon angebunden an eine feste Halle. Fest steht jedoch: Das Theater Michoels wird hier im Rheinauhafen nächstes Jahr seinen Betrieb aufnehmen können.

Nach Beendigung des Umbaus des Kölner Rheinauhafens wird das Theater dann seine feste Spielstätte hier im Rheinauhafen beziehen. Im Bebauungsplan des Rheinauhafens ist ein Standort dafür vorgesehen.

Finanziell unterstützt wird dieses Projekt von privaten Zuwendungen und Spenden sowie von Sponsoren aus Wirtschaft und Industrie. Eine Start-Up-Hilfe des Ministeriums für Städtebau, Wohnen, Kultur und Sport des Landes NRW ist in Aussicht gestellt worden.

Unabdingbar für solch ein Projekt ist und bleibt aber natürlich der Zuspruch der Öffentlichkeit und der Zuschauer. Von der allerersten Minute an war für alle Gründungsmitglieder klar, daß Köln mit seiner toleranten und weltoffenen Atmosphäre der richtige Standort für dieses Theater ist. Der Zuspruch, den wir bisher hier in Köln bei unserer Arbeit erfahren haben, hat uns die Kraft gegeben, dieses Projekt in die Tat umzusetzen. Gerade heutzutage ist es wichtiger denn je, klar Stellung zu beziehen und Farbe zu bekennen. Deswegen bitten wir Sie alle, Sie hier im Saal und von dieser Stelle auch die Bürgerinnen und Bürger Kölns und des ganzen Landes: Lassen Sie uns ein Zeichen setzen, lassen Sie uns gemeinsam ein Zeichen setzen gegen Intoleranz und Rechtsradikalismus. Theater, Tanz und Musik sind eine wunderbare Basis, eine Plattform zu schaffen für ein friedfertiges und tolerantes Miteinander sowie einen konstruktiven Dialog. Helfen Sie mit, diesen Dialog mit Inhalten zu füllen. Bitte unterstützen Sie das jüdische Theater, bitte unterstützen Sie das Theater Michoels in Köln.

Vielen Dank.